Cse. Brusolade - Bozen/Bolzano

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Cse. Brusolade (1145) - Falcade (1150) - Passo di San Pellegrino (1919) - Moena (1184) - Karer Pass/Passo di Costalunga (1745) - Bozen/Bolzano (266)

71 km, 1550 hm, 3:36

Etappe n+1

Etappe n+1

Grafik: Widmann mit HACtronic

Regen ohne Ende ... der Tag begrüßt uns so richtig "nett"! Wir ziehen das Aufstehen und Frühstücken mit aller Gewalt in die Länge und lungern auch nachher noch im Zimmer herum - nur unterbrochen von fallweisem Aufstehen und Nach-dem-Wetter-sehen ("Da hinten wird es schon heller!" - "Jetzt ist es im Tal schon ganz hell!" - "Hört eh bald auf!"). Doch allem Optimismus zum Trotz: Sauwetter bleibt Sauwetter! Und ich beginne mich schön langsam auf eines der "Axiome" der interDolomiti zu besinnen: "Wir nehmen extra wenig Zeug mit, sonst ist das Biken keine Gaudi - und wenn das Wetter schlecht wird, müssen wir halt abbrechen!"

Irgendwann gegen 11:00 will die Zimmerwirtin dann wissen, ob wir auch noch eine 2. Nacht bleiben wollen, und gibt uns damit zu verstehen, dass wir eigentlich jetzt einmal unsere Siebensachen packen sollten ... was wir schließlich auch machen. Mittlerweile steht für mich fest, dass ich die interDolomiti abbreche, nach Bozen/Bolzano fahre und von dort mit dem Zug den Heimweg antrete - Wilfried und Gerhard entschließen sich letztendlich doch zur Weiterfahrt. Ist halt eine Gefühlssache, denn auch der Wetterbericht im Tourismusbüro lässt alle Interpretationen offen: heute auf alle Fälle Regen, aber wie lange? Und auch in den Gebieten, durch die die interDolomiti noch führen wird?

Während die beiden in Richtung Passo di Valles und Passo di Rolle weiterfahren, zweige ich in Falcade rechts ab und gehe den Passo di San Pellegrino an.

Die 800 Höhenmeter auf den Pass (auf Asphalt) tun mir wirklich gut. Einerseits wird mir trotz des Dauerregens und der vergleichsweise "eisigen" 10 Grad schön warm dabei und andererseits können die Gedanken wirklich ihren Lauf nehmen und das vergangene Geschehen ein wenig aufarbeiten. Verkehr ist auch nicht viel und so ist wirklich alles halb so schlimm ...

Die Passhöhe ist gleichzeitig ein kleines Skizentrum und ein kleines Seilbahn-Buffet hat sogar geöffnet. Ich ziehe das klatschnasse Zeugs aus, trockenes an, werfe mir zwei Teetschis und einen Apfelstrudel ("Caldo?" - "Si! Everything very caldo!") ein, bevor ich mir wieder die nasse Kluft samt Haube und Handschuhe anziehe und die 800 hm nach Moena hinunter angehe - ein "echter" Genuss! Ich achte nur darauf, dass ich nicht allzu schnell werde und dass ich die Finger so weit warm halte, dass ich die Bremsen noch bedienen kann - alle anderen Körperteile "schalte ich ab"; irgendwann werden die schon wieder "auftauen" ... hoffentlich!

Moena ist ein ziemlich belebter Ort auf etwa 1200 m Meereshöhe und von da her schon einmal um ein Eck' wärmer als der San Pellegrino - und die Wärme brauche ich auch: wieder in ein Cafe, wieder umziehen, wieder Tee, usw... aber so richtig warm wird mir nicht mehr!

Also denke ich, dass Bewegung wohl das Einzige ist, was mir weiterhelfen kann und fahre im Fassatal/Val di Fassa ein Stück nach Norden bis Bozen/Bolzano angeschrieben ist. Vermutlich wäre der Karer Pass/Passo die Costalunga ja ein landschaftliches Highlight, aber wenn alles zur grauen, feuchten Masse verkommt, kann wahrscheinlich gar nichts mehr begeistern - bleibt lediglich die körperliche Herausforderung von weiteren 600 hm.

Am Pass lege ich eine weitere "Wärmepause" ein. Angesichts der bevorstehenden 30 km bergab bei Regen und nicht einmal 10 Grad überlege ich ganz genau, was ich jetzt anziehe, wie ich runterfahre, welche Kleidungsstücke mir dann in Bozen/Bolzano noch bleiben und wie das alles weitergehen kann. Ich komme drauf, dass ich in Bozen/Bolzano auf alle Fälle ein paar Socken kaufen muss - ohne die geht es sicher nicht, aber sonst kann es sich ausgehen, wenn ich der Kellnerin eine Zeitung zum Ausstopfen abschnorre.

Mit ein wenig Bammel fahre ich ab, immer Bedacht, nur ja nicht zu schnell zu werden, da sich auch meine Break Pads bereits dem Ende zu neigen. Nun, was soll ich schreiben: anfangs war es wirklich saukalt, aber da war die Zeitung in Hose und Leiberl ja noch trocken und als sie sich dann langsam zu durchweichen begonnen hat, war ich schon weit genug unten (wärmer). Und ganz in Talnähe hat dann sogar der Regen aufgehört und die Sonne (ja, sie existiert noch!) ist sogar ein wenig hervorgekommen ...

Wieder einmal in Bozen/Bolzano! Schnell finde ich den Bahnhof und erkundige mich nach den nächsten Verbindungen ("con bicicletta") nach Wels. Als beste Alternative erscheint mir, die Verbindung Bozen/Bolzano ab 2:30 - 4:30 an Innsbruck ab 7:30 - 10:30 an Wels zu nehmen; also bleiben 9 Stunden "Freizeit"!

Als ich so durch die FuZo rolle, höre ich plötzlich meinen Namen: Doris und ihr Freund sind auf einem kurzen Zwischenstopp hier und laden mich gleich auf einen "Dopio" ein :-) Zufälle gibt's! Dann Markt, Lebensmittelgeschäft, Sportgeschäft (Socken), schlendern, Kaffee bei klassischer Musik am Walther-Platz, spätes Abendessen, noch einmal schlendern, noch einmal das tolle Cafe ... und dann Horrorheimfahrt: bis Innsbruck kein Sitzplatz, in Innsbruck gerade halt noch das Bike ausladen können, weil zuerst kein Schaffner zu finden war und die Waggontüre versperrt war, kein Sitzplatz in Innsbruck, dafür aber jede Menge Sandler und Übriggebliebene ... und das alles nach 24 Stunden ohne Schlaf und doch einigen Anstrengungen einer Radfahrt über zwei Pässe bei widrigsten Bedingungen. Als dann auch noch der Zugchef im Zug von Ibk. nach Wels versucht, bei mir den Morgenmuffel raushängen zu lassen, muss ich ihm leider - in alle Ruhe - erklären, wie das so ist, mit Kunde und Dienstleister und Laune und so ... doch dann endlich: ein Sechserabteil für mich und zwei andere Schläfer und eine wirklich gute Mütze voll Schlaf.

Leider hat es in der Zwischenzeit in Österreich den Regen total gegeben: Überschwemmungen, Sperren, Evakuierungen - auch der Bauernhof von Elke's Tante entgeht nur um Haaresbreite einer Katastrophe! Da muten meine Probleme (Schlüssel vergessen, Elke in Wien, Eltern am Attersee, ich saumüde und fetznass) ja wirklich klein an!

 

© Manfred Widmann

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