Firenze 2000

WiMa.gif (23848 Byte) by Cornelia Hirschmann

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Oiso de Gschicht woa a so ...

Nachdem wir ja bereits zum dritten bzw. vierten Mal an dem Marathon in Florenz teilnehmen - und auch so dann und wann schon mal dort waren (im Schnitt jedes Jahr so zwei/drei Mal) - verläuft die Organisation einfach und unkompliziert: und das ist auch gut so, denn zusätzlichen Stress zu unserem 70 Stunden Job könnten wir wirklich nicht verkraften! Ist schon wirklich ein Wunder, dass wir uns dafür loseisen konnten ...

Die Vorbereitung lief eigentlich glänzend: keine Verletzung, keine besonderen Anzeichen von Überlastung - und einige Neuerungen versucht:

Beratung:

Ein Trainingskollege von mir (Dipl.-Ing. Thomas Sikora), hat wirklich enorm gute Erfahrungen mit seinem Trainingsberater Peter Wurzer gemacht und seine Bestzeiten wirklich ganz außergewöhnlich gesteigert: Grund genug, auch dessen Rat in Anspruch zu nehmen!

Und tatsächlich geht dieser sehr professionell an das Thema heran und ändert basierend auf Lactat- und Conconi-Tests vieles an meinem "normalen" Trainingsablauf. Außerdem ist er wirklich ein klasser Bursch (tirolerisch auszusprechen), der überdies noch eine Menge Charisma hat.

Kraft:

Kein Krafttraining ... schade, aber wir dachten, der kleine Manfred braucht die Energie zum Laufen ...

6 Einheiten:

Erstmals laufe ich 6 Eh. in der Woche - kein sog. Crosstraining ausgenommen die Gymnastikeinheit am Freitag beim FlicFlac.

Morgenstund ...

Nur nach und nach kann mich Peter überzeugen, dass Fettläufe vor dem Frühstück so wichtig sind ...

3 h Grundlage:

Peter intervallisiert die langen Grundlagenläufe, so dass gegen Ende des Trainings 6 x 30 Minuten (1 Minute Pause) zu laufen sind.

30 km im Tempo:

Auch die Läufe im Zieltempo teilt er in liebliche kleine Häppchen ein: 6 x 5000 m (2 Minuten Pause) lauten zuletzt die "little steps to hell"!

Schuhe:

Anstelle der "Rennpatscherl" wollte ich heuer einmal leichtgewichtige Trainingsschuhe ausprobieren; ich hab mir davon mehr Halt und weniger Ermüdung in der Fuß- und Beinmuskulatur versprochen.

Eiweiß:

Ebenfalls auf Peter's Anregung und den Infos im "Nutrition"-Forum von Runner's World hin, versuche ich, ein wenig mehr Eiweiß in meine Ernährung zu bringen; als Veggie-Runner scheint das gar nicht so unkritisch zu sein. Ergo: Tofu, Joghurt, etc... und außerdem noch täglich ein Esslöffel PowerPlay - ein Eiweiß-Supplement für Body Builder (igitt: wachsen mir jetzt auch solche Berge?)!

L-Carnitin:

Neumann/Pfützner/Berbälk schreiben in ihrem neuestem Buch "Optimiertes Ausdauertraining", dass bei "älteren Ausdauersportlern, die sich vorwiegend vegetarisch ernähren" die Supplementierung von L-Carnitin zu empfehlen ist ... her mit dem Stoff! Peerothon macht noch mehr Gschäft mit mir ...

Asthma: 

Bei einem seiner Tests bekommt Peter den Verdacht, dass irgend etwas mit meiner Atmung nicht stimmt ("Du schnaufst zu viel!" - "Jo, e kloa, weus aunstrengend is!" - "Nana, SO austrengend is des a wieda ned" - "Grmblgrmbltypischtraina, grmblgrmblwiasoidendeadeswissn!"), und schickt mich zu Dr. Haider, einen Lungenfacharzt in Traun.
Tatsächlich stellt der a) eine ziemlich hochgradige Allergie auf alles, was draußen so herumfliegt und b) ein sogenanntes "verstecktes Asthma" fest! Letzteres behandeln wir mit einem Medikament, das inhaliert wird: komischerweise ändert sich nichts, null, niente - obwohl es sollte und es der Kontrolltest beim Dr. Haider auch zeigt, dass es hat! Sollte ich wirklich so unsensibel sein?

 

Auch die Anreise ist für uns kein wirkliches Problem mehr und der "traino rapido" bringt uns schlafender Weise (wir, nicht der Zug!) sicher nach Firenze - lediglich die Ankunftszeit (Sa, 25.11., 5:15) ist schon ein wenig heftig ...

Dementsprechend geschlaucht sind wir auch, zumal wir noch ein Fahrrad für Elke's Coaching-Aktivitäten mieten müssen und auch noch den langen Weg zum Abholen des Marathon Bags haben. Aber als wir dann endlich ins Zimmer kommen, pennen wir erst einmal eine Stunde - das geplante Abschlusstraining lasse ich sausen: mir ist einfach nicht danach.

Natürlich gibt es die ganze Zeit jede Menge zu essen für den Marathoni - und abends eine Extraportion Reis im Danny Rock - das ist immer noch so gut wie eh und je. Und dann natürlich bald in die Heia, denn morgen ist ja der große Tag ...

Genau wie im Vorjahr stehen wir etwas vor 6:00 auf, frühstücken gut und vor allem Kohlehydrat-reich und machen uns rechtzeitig auf den Weg in Richtung Startgelände am Arnoufer. Dazwischen noch ein "Espresso Doppio", einlaufen, ein letzter KH-Schub in Form eines Power Gels, Elke verabschieden (sie macht sich gleich auf den Weg zu km 6, unserem ersten Treffpunkt) und warten auf den Start.

Komisch: normalerweise läuft es mir da immer kalt über den Rücken runter, aber diesmal: NULL, fast schon ein wenig "Startlethargie" ... apropos "kalt": das Wetter ist fast optimal: 10 - 12°C, nur hin und wieder ein Regenschauer, der uns Läufer sicher nichts macht, aber leider dafür sorgt, dass der Marathon beinahe zum Geisterrennen wird: Florentiner sind offensichtlich aus Zucker! An der Unkenntnis der Strecke kann es nämlich nicht liegen, denn die ist gegenüber dem Vorjahr unverändert.

Dann der Start: endlich geht es los! Diesmal stehe ich ein wenig besser und komme relativ bald zum Laufen - der erste Kilometer ist schon fast nach Soll (5'00 vs. 4'30") und er wäre es wahrscheinlich exakt gewesen, hätte meine Blase nicht was dagegen gehabt.

Wie immer vergehen die ersten km wie im Flug - es bleibt kaum Zeit für Beobachtungen! Schon bin ich bei km 6 und E versorgt mich mit Elektrolyt - ein wirklicher Vorteil, so toll und vor allem liebevoll gecoacht zu werden! Danke mein Schatz!

Dann ein kleiner Umweg zum Campo di  Marte, vorbei am späteren Ziel auf der Piazza S. Croche und schließlich in Duomo-nähe bei km 10. Dort ist schon die nächste Labe vorgesehen: ab jetzt gibt es Power Gel mit Wasser - alle 5 km!

Hier ist auch der einzige Teil der Strecke, an dem ein paar Zuschauer stehen - kein 

Wunder, verläuft sie auch direkt durch das Zentrum rund um Dom, Palazzo Vecchio, Piazza della Repubblica ... doch dann wird es schnell einsam, und wir können in uns rein hören: alles bestens: das Tempo passt, die Herzfrequenz auch, ein wirklich schönes Gefühl eigentlich! Auch wenn dann und wann der Regen nervt: die Entscheidung in punkto Kleidung (lange Tight, kurzärmliges Funktionsleibchen) war dennoch goldrichtig.

Und schon sind wir bei km 15 angelangt, E hüpft vor Begeisterung

Positionskämpfe?

Foto: Studio 5, Firenze

 und baut mich erneut unheimlich auf - angeblich grinse ich von einem Ohr zum anderen. Das Gel ist schnell drinnen und weiter geht es Richtung Ippodromo - dort, wo es wirklich einsam ist: nur ein paar Kicker wälzen sich im Dreck (ob es die selben wie im Vorjahr sind?).

Dann verlassen uns die Halbmarathonis, was schade ist, denn ich habe bis jetzt eine HM-Läuferin verfolgt, die einfach genau mein Tempo gegangen ist; aber es gibt ja genügend andere Teilnehmer. Wie immer folgt jetzt die lange Schleife nach Westen - aber Hirn aus und durch! Denn bald kommt ja km 20 und E grinst mir schon von weitem zu ...

Schön langsam merke ich jetzt das Tempo - irgendwie werden die Oberschenkel "laut" und bei HM habe ich das erste Mal ernste Bedenken, ob ich mein Ziel (3:10) erreichen kann. Auch der wunderbare Palazzo Pitti kann mich davon nicht wirklich ablenken, und als bei km 25 meine E mich ein Stück begleitet, gestehe ich ihr bereits, dass der Marathon jetzt schon begonnen hätte ... im nachhinein eigentlich verwunderlich, wie wenig sich zwischen 20 und 25 eingeprägt hat: alles überdeckt von der Gewissheit, das Ziel zu verpassen und erneut zu scheitern!

Mit der Überquerung des Arno beginnen wir die zweite Runde - schon wieder beim späteren Ziel vorbei (ma, DES is Sadismus pur!) und eine Schleife nach Norden - immer mit den Bangen Blick auf Pulsmesser und Stoppuhr: nur jetzt ja nicht übertreiben, sonst wirds zum Aufgeben; lieber den Schnitt ein wenig hängen lassen (3:10 sind eh schon vorbei, sollte nicht ein Wunder geschehen)!

Die lange Gerade zu km 30 wird wirklich zur Qual, und als mich E bei km 30 mit der doppelten Menge versorgt (km 35 ist für sie mit dem Rad sehr schwer erreichbar), kann ich ihren Optimismus nicht mehr teilen - in meinem Hinterkopf macht sich der Gedanke ans Aufhören immer breiter und breiter. Dort, wo der HM von der Marathonstrecke abzweigt - dort wird es sein!

Ich trinke brav den halben Liter (diesmal übrigens immer gänzlich ohne "diggestive Probleme") und erreiche km 32 ... und bleibe erst einmal stehen: Was soll's? Wozu weitermachen? Die 10 km kann ich mir wirklich ersparen! Kommt ja eh nix mehr dabei raus! Zurückgehen wird den geplagten Oberschenkeln sicher besser tun, als weiterlaufen!

Bar jeder Ratio laufe ich dennoch weiter: deutlich langsamer zwar, aber mit dem Willen, zumindest die Distanz zu bewältigen. Dann spricht mich ein Italiener an: Nein, scusi, no parlo italiano! Ah, yes, we are still running, but missed our goal! No, no problem, let's jogg together!

Wir ratschen uns Richtung Ziel: er (Valentino) ist ein römischer Wirt und hat eine Bestzeit von 2:55 (!), 

Fast im Ziel ...

Foto: Studio 5, Firenze

ist voll sauer auf die Organisation und eigentlich kaum auf sich (was für ein Unterschied)! Dann begleitet uns auch noch sein Freund, der den HM in 1:17 gelaufen ist - wäre ich nicht schon so leer, wäre es richtig lustig geworden. So aber bekomme ich auf die letzten km noch dermaßen Seitenstechen, dass mich nur Valentino davon abhält, ein Gehpäuschen einzulegen.

Dann endlich das Ziel: zu müde zum Denken ... aber nicht zu müde, meiner E um den Hals zu fallen und zu essen essen essen ...

Foto: Studio 5, Firenze

Geschafft ... ein Erlebnis mehr am Konto!

 

Was bleibt? Nein, heuer kein Groll über die verpasste Leistung, keine Wut auf das "schwache Fleisch" - nur die Erinnerung an ein Laufabenteuer und an ein herrliches und erlebnisreiches Wochenende!

 

© Manfred Widmann

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