Firenze 2002

WiMa.gif (23848 Byte) by Cornelia Hirschmann

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Hinfahrt

Schon um 5:30 läutet der Wecker am Sa, 23.11., denn wir haben heute noch viel vor. Hinter mir liegen 12 Wochen Training nach Peter Greif’s „Heißen Feuer im alten Ofen“ und ich fühle mich wirklich bombig - so bombig, dass ich vielen eine neue Bestzeit angekündigt habe! Ich habe mich mit „Geri-on-the-run“ Gruber sogar beraten, ob ich es vielleicht riskieren soll, einen 4’20“-Schnitt zu versuchen, letztlich mich aber dann doch mit einer geplanten Verbesserung meiner Bestleistung auf 3:05 „begnügt“ ... jaja, auf dem Papier ist das alles so leicht!

Ein kleines Lauferl (genau nach Papa Greif) noch am Morgen und schon steht

mein Vater bereit um uns zum Bahnhof zu bringen. Diesmal erreichen wir problemlos (vgl. XVII Firenze Marathon) den Zug und lassen uns quatschend, lesend, essend, trinkend und schlafend ins neue Abenteuer chauffieren. Erst ab Rovereto lohnt sich die Sitzplatzreservierung, denn der Zug ist ab da wirklich voll: an Schlafen oder freies Bewegen ist leider jetzt nicht mehr zu

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Elke hat mich auch heuer wieder begleitet!

Foto: privat

denken. Doch gerade als es zu nerven beginnt, fahren wir pünktlich (!) nach etwa 10 Stunden Fahrzeit in Firenze S.M.N. ein ...

Vor dem Lauf

... und der genau ausgetüftelte Zeitplan beginnt zu laufen: wir haben nämlich gar nicht so viel Zeit um a) das via EMail bestellte Rad (www.florencebybike.it) abzuholen, b) im Hotel einzuchecken, c) die Startnummer zu holen und natürlich d) mir den nötigen „Marathon-Speck“ anzufuttern!

a) und b) funktionieren problemlos, c) ist ein wenig zeitaufwendiger, weil das Marathonzentrum leider wieder im „Palasport“ aufgebaut wurde. Außerdem entdecke ich – leider erst kurz vor dem Schlafengehen – dass in meinem Sackerl kein Zeitnehmungs-Chip zu finden ist ...

d) wird jedoch zum Fast-Fiasko: wir suchen uns ein Ristorante ganz in der Nähe unseres Hotel Tina aus: ist ja wirklich recht schön zum Sitzen, leider kosten dort etwa 5 dkg Spaghetti stolze € 7,-! Kaum zu glauben wie teuer Italia inzwischen geworden ist: auch unser Hotel (Mini-Zimmer, ohne WC, ohne Dusche, kein Frühstück) kostet € 113,- für uns beide für 2 Nächte.

Den „offenen Rest“ der Speicher füllen wir mit Unmengen Brot (die sie uns dann übrigens eh noch extra verrechnen) ... und dann im Zimmer mit etwas mitgebrachtem Milchbrot, bevor wir jetzt doch ziemlich müde recht bald ins Bett gehen. Auf das vom „Papa“ verordnete Lauferl am Abend verzichte ich ...

Um 6:00 stehen wir auf und ich bin erst einmal wirklich vom Wetter geschockt: es gießt zunächst in Strömen ... doch nach wenigen Minuten ist es damit vorbei – fuuuh! Was hätte ich bei Regen gemacht? So beginnt aber der zweite Zeitplan des Wochenendes zu laufen und wir frühstücken am Zimmer (Striezel, Honig, Cola) bevor wir auf einen Espresso Doppio ins Cafe am Piazza San Marco gehen.

Am Start

Modisch gekleidet, in einer unsäglich schrillen rosaroten Tight („Starke Männer“)

traben wir zu den Garderobenbussen am Arno-Ufer. Warum diese geschmackliche Entgleisung? Nun, ich dachte zunächst, dass ich dieses „Ding“ am Start ausziehen und dort zurücklassen würde ... ist aber eh nicht notwendig, denn es ist so wunderbar warm, dass meine kurze Gymnastik-Nike und mein Asics-Laufleibchen (T-Shirt) sogar etwas zu warm sein könnten.

Nach genau 20 Minuten kommen wir bei den Bussen an; es folgen 15 Minuten Stretching, ein Powerbar, ein wenig herumgepackle, die Abgabe des „bags“, das „pfüaten“ der E. („Bis Km 5! Liebe! Viel Glück!“) und die Shuttle-Fahrt rauf zum Piazzale Michelangelo, wo heuer der Start ist.

Oben stelle ich mich gleich bei den Toiletten an

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Pink Panther

Foto: Rockenschaub

(und natürlich sind alle anderen Schlangen wesentlich schneller) und als ich endlich an der Reihe bin, ist (natürlich) das Klopapier „alle“. Seltsamerweise war mir das aber im Shuttle schon klar und schon dort habe ich beschlossen, mein Uralt-T-Shirt vom Welser Halbmarathon 199x für diese etwas anrüchige Sache zu opfern.

Dann organisiere ich mir noch einen Chip (den ich allerdings erst im Ziel auf meine Nummer registrieren lassen soll) und starte pünktlich (Zeitplan 2!) zum abschließenden 10minütigen Tempolauf.

Wieder zurück habe ich noch ausreichend Zeit, dieses berühmte Marathon-Gefühl am Start aufkommen zu lassen: fast treibt es einem die Tränen in die Augen! Was ist das für ein Hormoncocktail, der einem da durch die Adern kreist?

Noch ein 3/4 Liter Wasser mit etwas Salz und ...

Km 0 – 5

... endlich los! „Hey ragazzi, quarantadue kilometri“ regt sich ein Läufer neben mir auf, als ihm ein anderer offensichtlich den Weg abschneidet; „Ma, he, losts mi renna!“ schreit alles in mir ...

Vielleicht jetzt ein Wort zum Profil: zunächst habe ich es ja für einen echten Vorteil

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 gehalten, dass es unmittelbar nach dem Start etwa 90 hm bergab geht (in Summe werden es 115 hm runter und 75 hm

Höhenprofil

Grafik: Widmann

rauf – sagt zumindest der HAC4), jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher (sh. Resümee am Ende des Berichts). Aber auf alle Fälle sorgen diese Höhenmeter für eine Pace von 4’23“ (Soll: 4’28“) bei einer HF von deutlich unter 160 (Soll: 157).

Wie immer: die ersten Kilometer werden einfach nur gefressen; bremsen heißt das Motto ... und Läufer schauen ... und „Hey, da ist ja schon ein E-Punkt!“ und eine Erfrischung in Form von 0,25 l „wertvollstem Peeroton Exotic“! Schon von weitem sehe ich sie ... und sie mich!

Km 5

Ich bin überrascht, als Manfred mir schon von weitem zuwinkt. Das ist sicher ein gutes Zeichen und als er an mir vorbeiläuft sehe ich ihm an, wie sehr er das Laufen genießt.

Km 5 – 10

Das Getränk ging runter wie Öl – nicht einmal der Laufrhythmus wurde davon gestört.

Als wir – immer noch auf der südl. Arno-Seite – eine kleine Schleife nach Westen raus drehen, stehe ich immer noch auf der Bremse: letztendlich sollte ich dann dieses Teilstück mit einer Pace von 4’29“ (Soll: 4’28“) und einer HF von etwa 162 (Soll: 160) hinter mich bringen und es geht mir so richtig gut dabei! Mühelos, fast ohne mein Zutun ziehen die Kilometer an mir vorbei, selbst der kleine Anstieg über die Brücke und die enge Kurve in den Park hinein – null problemo!

Jetzt muss ja bald der 10er kommen – ah, da sehe ich ja schon meinen Schatz ...

Km 10

Auf der breiten Straße im Park versuche ich das Unmögliche – zuerst Foto schießen und dann noch Getränk übergeben – das Ergebnis ist leider ein unscharfes Foto. Aber das Wichtigste ist, dass Manfred noch immer strahlt und mir zuruft: „Bei 15 sehen wir uns wieder!“

Km 10 – 15

Mit wirklicher Freude mache ich mich dieses Mal auf den Weg durch diesen vermaledeiten Park: das habe ich auch schon gaaaanz anders erlebt! Die müssen den Park echt umgebaut haben, denn der ist ja viel kürzer geworden ;-)

Und der Schnitt? Passt mit 4’30“ fast perfekt mit dem Soll (immer noch 4’28“) überein, nur die HF ist um 2 Schläge zu hoch – aber lass es pumpern, das Herzerl! Solange es sooo gut geht ...

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Streckenführung

Grafik: Firenze Marathon

Kurz vor km 15 läuft eine Läuferin auf mich auf, die offensichtlich von ihrem Coach am Bike betreut wird; die wird mich noch bis zum Schluss verfolgen – und manchmal ich sie! Man kann sagen, dass wir gemeinsam eingehen – doch davon später mehr. Momentan ist allerdings noch Spaß angesagt, Laufen ist doch wunderschön! Vor allem, wenn man schon wieder was Gutes von seinem Liebling kriegt ...

Km 15

Das läuft ja heute wie ein Uhrwerk – die Zeit, die auf meinem Schummler steht, stimmt genau – Manfred erscheint um 10:06 bei km 15. Kurz mache ich mir Gedanken, ob es ihm noch immer gut geht. Gott sei Dank – er schnappt sich die entgegengehaltene Getränkeflasche mit einem breiten Grinsen und weg ist er wieder....

Km 15 – 20

Ab km 15 meint ja Papa Greif, dass man die „Hochstimmung in diesem Rennabschnitt dazu ausnützen soll, um die bislang verlorenen Sekunden“ (4’28“ ist

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ja ein wenig langsamer als der geplant „overall“ Schnitt) aufzuholen: mit Freude erhöhe ich mein Tempo auf 4’21“ (wirklich exakt nach Plan: hätte nie gedacht, dass ich das so genau zusammenbringe), was zu einer HF 165 führt (Soll: 162, also ein wenig zu hoch).

Aber wie so oft, war auch hier

V/Hf-Diagramm

Grafik: Widmann

die Vorfreude auf die Beschleunigung die schönste Freude und so wirklich gut hat mir das nicht getan. Verunsichert hat mich auch, dass ich gleich die 16er Markierung verpasst habe und an der 17er Markierung plötzlich die Stoppuhr bei 8’04“ stehen geblieben ist. „Ähm“, hab’ ich mir zunächst im typisch rasend schneller Überlegung eines Marathonis gedacht, aber dann gleich pfeilschnell: „Upfffff“! Und dann später, dass das ja irgendwie bedeutet, dass ich die letzen zwei km in je 4’02“ gelaufen sein soll? Wenn das wirklich so war, dann könnte darin die Begründung für die folgenden Kilometer liegen ... oder die Tafel ist ganz einfach an einer falschen Stelle gestanden?

Kaum mit den Überlegungen durch (war ja auch wirklich eine Schweineweibchen-schwere Rechnerei!), erreiche ich schon den Palazzo Pitti (bei km 20!), und damit eine weitere Privat-Labe: in punkto Wasser, vor allem aber in punkto „E“...motion!

Km 20

Nach einem Schiebestück, da Unmengen von Leuten am Palazzo Pitti den Marathonläufern zurufen, erreiche ich km 20. Insgeheim wünsche ich mir natürlich wieder einen strahlenden M. Doch er erscheint eher mit nachdenklichem Gesicht – irgendwas ist nicht ganz so, wie er sich das vorgestellt hat – diesen Ausdruck kenne ich! Natürlich bin ich nun als Coach gefragt, um seine Stimmung zu heben und so schreie ich ihm neben einigen aufmunternden „Super, weiter so“ auch „Liiiiiiiieeeeeeeebeeeeeeee!“ hinterher. Die Leute rundherum haben es anscheinend verstanden – ein paar schmunzeln.

Km 20 – 25

Ojeojeoje ... das wird nichts mehr: der HM in 1:34 (brutto, also werden’s netto etwa 1:33 gewesen sein), das mag’ ja noch nach Greif-Taktik sein („... zweite Hälfte meist sogar schneller ...“), aber das Gefühl haut überhaupt nicht mehr hin.

Ich quäle mich am südlichen Arno-Ufer (übrigens wieder gemeinsam mit „meiner“ Läuferin, die ich kurzfristig ein wenig abgehängt hatte), der Puls ist über dem Soll (165 vs. 162) dafür aber die Geschwindigkeit darunter (4’35“) und die Beine werden schwerer und schwerer … und auch das restliche Feld wird stiller und stiller.

Dann überqueren wir den Arno und verlassen die innere Stadt auf einer endlos erscheinenden Geraden nach Osten; zwei Dinge können mich ein wenig aufrichten: 1) dass ich im Moment einige Leute überhole (und das obwohl ich gerade dabei bin, elendiglich zu versacken) und 2) dass auf der Gegenfahrbahn der gesamte Verkehr wegen uns Marathonis zum Erliegen kommt – endlich sitzen wir Läufer einmal am längeren Ast ...

Km 25

Dann km 25 … noch dazu ohne E. … ich greife mir einen Becher Wasser und ein Bananenstück und schließe schon aus letzterem, dass … seuftz!

Km 25 – 30

Jetzt habe ich mich damit abgefunden, dass ich mein Ziel bei weitem nicht erreichen werde. Ich versuche die eine oder andere Hochrechnung auf die Endzeit und komme auf sehr viele Ergebnisse zwischen 2:05 und 4:35, die mir aber doch allesamt ein wenig unplausibel vorkommen – das zumindest check ich noch!

Mechanisch registriere ich Puls und Schnitt und vergleiche die Werte mit dem Schummler am

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Coach at work!

Foto: Widmann

Uhrband. Hoppala: jetzt ist der Soll-Puls von 165 auf einmal nicht mehr erreichbar - offensichtlich ist nur mehr Sprit für 162 Schläge/Sekunde im Tank; der nachträglich errechnete Schnitt für diese 5 km liegt mit 4’46“ eigentlich eh noch halbwegs im Rahmen. Viel schlimmer ist aber, dass jede Teilzeit schlechter ist, als die vorhergehende … das zermürbt und macht die Beine noch schwerer, als sie ohnedies schon sind.

Besonderheiten? Nur eine Unterführung, die mich fast umbringt … und – BITTE – wann kommt denn jetzt endlich das Palasport? Ah, da, aber uff: einmal umrunden! Za wos brauch ma des?

Km 30

Nach einem kurzen Schock, als ich bemerke, dass ich km 30 und 35 verwechselt habe, erscheine ich noch pünktlich beim Palasport. – Nur, wo bleibt M? – Wird gleich um die Ecke biegen, beruhige ich mich selbst. Mit einer Flasche Cola in der rechten und einer Wasserflasche und einem halben Powerbar in der linken Hand warte ich und werde etwas nervös. Da vorne – ist er das – jaaaa – ich atme tief durch und versuche ihn wieder aufzumuntern. Sein Gesicht ist verzerrt und ich frage mich, was in der Zwischenzeit passiert ist!?!

Km 30 – 35

Gleich nach der Übergabe des Cola-Gspritzt werde ich bewusst (noch) ein wenig langsamer um es in Ruhe (?) zu trinken … und rede ich es mir ein oder auch nicht: irgendwie geht es dann subjektiv ein weniger besser! Auch weigere ich mich ab jetzt, auf die Uhr zu schauen, da ich es einfach satt hab’, alle 4 – 5 Minuten eine Hiobs-Botschaft zu bekommen. Jetzt weiß ich, dass eigentlich ohnehin nichts besonderes passiert ist: der Puls ist in etwa konstant auf 162 geblieben und der Schnitt weiter gesunken – auf 5’00“ sind wir inzwischen angelangt.

Aber lustig: immer wieder tauchen zwei/drei bekannte Gesichter rund um mich herum auf – mal überholen sie mich zaghaft, mal ich sie. Ja, gehen den heute alle ein? Auch die betreute Läuferin von km 15: sie macht zwar einen guten Eindruck, aber alleine der Umstand, dass sie immer noch in meiner Nähe ist, spricht Bände.

Warum ich schon wieder nichts von der Strecke schreibe? Von welcher denn? Strecke? Wassndasüwahaupt?

Km 35

Nachdem ich vorher schon einmal fast bei km 35 war, finde ich schnell die offizielle Labestelle und postiere mich eine Kurve davor. Banges Warten beginnt – kommt er oder hat er gar irgendwo auf der Strecke das Handtuch geworfen – nein, wenn er weiß, dass ich hier auf ihn warte, läuft er weiter! Jedes rote Leiberl wird genau inspiziert, ich hasse dieses „Nichts-tun-können!“ Mit Verspätung taucht er endlich auf und ich reiche ihm das Cola – aber halt, was tut er denn da – er beginnt zu gehen, kurze Panik erfasst mich und ich glaube, er läuft nicht mehr weiter. Gott sei Dank habe ich mich geirrt, er wollte nur ordentlich trinken..... trotzdem merke ich, dass es noch verdammt weit wird für ihn......

Km 35 – 42

Jetzt schaut endlich ein Ende raus und Cola und Banane müssen jetzt ganz einfach bis zum Ende reichen (das ja hoffentlich erst in 7 km kommt - oder soll ich vorher schon ...?).

Ich versuche noch einmal alles zu geben und die vielen Zuseher beim Duomo und beim Piazza Italia helfen mir dabei! Aber es ist hart, sooo hart – einer meiner Konkurrenten (na ja?!) gibt meinen Gefühlen Ausdruck und schreit, dass den Zusehern ganz bange wird … geholfen hat es ihm letztendlich nicht, er muss lange nach mir ins Ziel gekommen sein. Überhaupt: ich denke, dass ich nicht allzu viele Plätze in dieser Phase eingebüßt habe, denn ja, klar, einige ziehen schon an mir vorbei, aber genau so viele sind noch kaputter als ich und müssen noch langsamer dahinzuckeln!

Mein Schnitt gleicht jetzt einer Treppenfunktion: auf drei mühsam erarbeitete Verbesserungen folgt ein Einbruch, dann wieder anstrengen und wieder „Zack“ usw. Der Puls geht weiter nach unten; nur einmal, als ich wirklich alles noch einmal auf eine Karte setzen will - so etwa bei km 38 am Arno-Ufer - da zeigt der Pulsinger auf einmal HF 180 und mehr an … brrrrr, langsam, sonst endet die Läuferkarriere hier am Lugarno noch letal! Geht halt einfach nicht – selbst wenn man noch so sehr möchte.

Dann über den Piazza Signoria und wieder zum Dom und plötzlich steht E. neben der Strecke und schickt sich an, mich ein wenig zu begleiten: Nein, bitte nicht! Ich will das jetzt nicht! Warum? Weiß nicht …

Ich kann jetzt schon den Sprecher hören, muss aber trotzdem noch einen kleinen Umweg machen und während ich bei km 40 noch eine 5er Schnitt geschafft habe, geht jetzt mit der Erkenntnis „Jetzt bist glei daham“ kaum mehr was … der Lauf findet mit HF 157, einem letzten km in 5’40“ und einer Endzeit von 3:17’46“ ein Ende!

Und aus … und stehen … und pfuh … und aaaah!

Im Ziel

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Gleich kümmere ich mich um den Chip am Knöchel: oje, das ungeschickte Band hat meinen Knöchel ganz blutig gescheuert („burn, baby, burn!“) und als ich versuche, dem Chip-Einsammler von Winning Time mein Problem zu erklären („My chip is not associated with my number. So the man who gave it to me said that you should note my time and my number and keep it with the chip - then they can fix it later.”), stellt sich heraus, dass er kein Wort Englisch spricht (außer vielleicht “railway station” – zumindest versteht er nur das :-)). Ich bin einfach zu müde um mich weiter darum zu kümmern: was soll es denn, stehen die 3:17 halt nicht im offiziellen Ergebnis, wuascht!

Jetzt sehe ich auch E in der Menge und nachdem ich Unmengen von Wasser, Tee und

Finished!

Foto: Rockenschaub

Kakao gebunkert habe (sh. später), treffen wir uns auf den Stufen der „Santa Croce“, wo ich einmal ausgiebig raste und warte, bis mir richtig schön schlecht wird.

Schließlich machen wir uns auf den weiten Rückweg zum Hotel Tina - ich am Rad und E zu Fuß … und nachdem sich am Piazza San Marco der überflüssige Ballast aus meinem Magen entfernt hat (sh. vorher), geht es mir auch schnell wieder besser!

Nach dem Lauf

„HUNGER!“ schreit irgend etwas ganz laut in mir – so laut, dass ich aus dem Nachmittagsschläfchen aufschrecke und wir schnell einen kleinen Stadtbummel („Il Fornaio“) ansagen und mit Wasser, Juice, Melanzani-Pizza und noch so allerlei Beute wieder zurück kommen. Dabei bemerke ich, wie sehr diesmal meine Oberschenkel schmerzen (vom Bergab-laufen?) und wie weh mein Rist tut (Schuh zu fest gebunden).

Und das war an diesem Tag nicht das letzte Essen …

Rückfahrt

Erst am Montag machen wir uns auf die Rückreise (nach dem wir auch noch per Wahlkarte unserer Pflicht als Staatsbürger erfüllt haben) und trotz ereignisreicher Fahrt (Stichwort: € 32,- Supplemento) bleibt Zeit für ein Resümee und etwas „Ursachenforschung“:

Vorbereitung:

Was soll man da noch verbessern? Ja, ich weiß: das nächste Mal werde ich die 6er Gruppe des Greif-Planes versuchen - also 6 Mal (statt jetzt 5 Mal) je Woche in die Laufschuhe schlüpfen. Es fehlt ja wohl eindeutig am Umfang, oder?

Anfahrt:

Man kann sagen was man will: 10 Stunden im Zug sitzen ist sicher nicht die optimale Vorbereitung - ob es allerdings für das Nicht-Erreichen des Ziels (3:05') verantwortlich ist?

Essen:

Am Vorabend eines Marathons habe ich schon einmal mehr KHs zu mir genommen und obwohl ich die ganze Woche vorher wirklich sehr, sehr brav war, könnten die Speicher dadurch nicht randvoll gewesen sein!?

Wetter und Bedingungen:

Recht viel besser kann's nicht mehr sein ... nur hätte vielleicht ein Trägerleibchen geringe Vorteile gegenüber dem T-Shirt gehabt - aber wer weiß?

Bergab:

Die Höhenmeter zu Beginn waren mit Sicherheit für den Zustand meiner Oberschenkel nach dem Lauf verantwortlich - aber ob sie auch an der verfehlten Zeit Schuld haben?

Coaching:

Noch einmal ein allerallerkräftigstes "Respect" meinem Schatz für das weltallerbeste Coaching: immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort, optimale Kommunikation während des Laufes, beste emotionale Unterstützung - ich bin mir sicher, dass ohne ihre Mithilfe der Lauf gaaanz anders ausgegangen wäre! Wahrscheinlich ist dieser Teil der komplexen Leistung "Marathon" der professionellste!

Programmierbar:

Glücklicherweise sind Menschen halt einfach keine Computer und daher nicht programmierbar - auch wenn der Greif-Plan mich mit Sicherheit in die bisher beste Form gebracht hat ... das sag' ich jetzt einfach einmal so aus dem Gefühl heraus, ohne es wirklich belegen zu können.

Bestleistung:

Angesagte Bestleistungen finden nicht statt: nie! Merken! Und 2 Verbesserungen der Marathonzeit in einem Jahr - noch dazu um 8 Minuten - wäre wirklich "a Waunsinn" und zu schön um wahr zu sein.

€ 482,-

So viel hat uns beide das Wochenende gekostet: nicht gerade wenig für viel Zug fahren, "etwas" laufen und kaum mehr ...

Alles in allem war es zwar kein voller Erfolg, aber zumindest ein tolles Erlebnis ... doch in Anbetracht des finanziellen und zeitlichen Aufwands werden wir uns solche Eskapaden wohl in Zukunft gut überlegen (müssen): Linz, Krems, Wien, Graz - das alles sind auch wunderschöne Läufe!

© Manfred Widmann

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