Linz 2002

WiMa.gif (23848 Byte) by Cornelia Hirschmann

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Schon angenehm, so ein Heim-Marathon ... anstelle schon bereits am Vortag (Wien) oder gar am Vor-Vortag (Firenze) anzureisen, reicht es, gemütlich um 6:45 aufzustehen, zu frühstücken und dann mit dem Zug um 8:07 nach Linz zu gondeln - und den Weg vom Bahnhof zum Brucknerhaus verwendet man zum Warmlaufen: alles sehr rationell und wirklich einfach. Elke hat sich wie üblich das Fahrrad mitgenommen um mich an den wichtigsten Punkten zu coachen, anzufeuern und ein wenig was zum Trinken zu geben.

Das Brucknerhaus ist ja wirklich ein ideales Marathon-Zentrum: ausreichend Toiletten für die (enttäuschenden) 1500 Starter, genügend Garderoben und vor allem viel, viel Platz zum Umziehen, Stretchen und allgemeinem Hegen und Pflegen der bald so wertvollen Beinchen. Fast fällt es schwer rauszugehen - aber schließlich haben wir alle uns ja etwa ein halbes Jahr auf den Tag X vorbereitet: und der ist heute gekommen.

Noch ein Tempolauf und dann ins Startgelände: keine Drängerei, genug Platz zum

Warmhalten, alles recht angenehm! Sogar ein Plauscherl mit der Verwandtschaft ist drinnen: der "kleine" Karli - inzwischen schon Großvater - startet in einer Rosenbauer-Betriebsstaffel, dann war da auch der Toni, der die Doris coacht ... und knapp vor dem Start treffe ich auch meinen Kollegen Christian Jäger, mit dem ich die 42195 m angehen möchte.

Ich hab's ja beinahe übersehen, aber auf einmal war der Startschuss gefallen und wir traben los: km 1, km 2 ein wenig zu schnell, aber bald finden wir unseren Rhythmus; wobei es genaugenommen eigentlich nur Christians Verdienst ist - er ist einfach wirklich ein erfahrener Läufer, der anscheinend wirklich auf die Sekunde genau einen Schnitt halten kann.

Vorbei beim Mampfen seinem Elternhaus - kein "big träna" weit und breit - geht es rasch zu km 5: E. hüpft und springt vorm Biesenfeld-Bad, gibt mir wieder einmal mentale Power und ein Peeroton, das mir zu diesem Zeitpunkt sogar noch schmeckt. Auch Christian scheint es zu mögen: wir teilen uns ab diesem Zeitpunkt sein

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Linz Marathon

Grafik: Askö Tri Linz

Magnesium-Safterl und mein Peeroton Exotic brüderlich.

Sehr konstant vielleicht 1-2 Sekunden "zu schnell" gelangen wir zum Damm, wo wir gegen den Wind ein wenig zu stampfen haben; leider geht der Plan, uns einen guten Windschatten zu suchen, nur teilweise auf ... aber wir sind ja schon beim Lindbauern wo E. mir das 10 km Safterl gibt und sich dann gleich über die Eisenbahnbrücke auf zum 15er macht.

Wir "take the long way" wieder über die Nibelungenbrücke (schon wieder ein paar Höhenmeter) und wieder beim Brucknerhaus vorbei: spätestens jetzt sind wir ein Team - einer kontrolliert das Tempo des anderen - eine sehr effiziente Art des Laufens stellt sich ein.

Von km 11 - 15 eine perfide Gemeinheit des Veranstalters: laufend stehen da die Kilometermarkierungen mit Ziffern alle jenseits der 30 ... wie wird es uns dann gehen? Werden wir noch so locker drauf sein? Werde ich mit Christian dann noch mithalten können? Doch davon unbeeinflusst bleiben Puls und Tempo im geplanten Bereich ... und: da ist E. ja schon wieder!? Schon km 15? Jaja, pfiati bis km 30 ... noch einmal so weit!!! Sie hat ja jetzt ein gute Stunde "frei" - meine Eltern haben die nächsten beiden "Boxenstopps" übernommen.

Wir verlassen jetzt das (berüchtigte) Franckviertel und gelangen über den Bulgariplatz letztendlich in Richtung Wasserwald. Eingefleischte Linzer werden sich jetzt sagen, dass das ja wohl alles plötzlich ein wenig schnell geht, aber jetzt stellt sich eben jener "flow" ein, in dem alles ganz von alleine geht - in dem man eigentlich kaum wahrnimmt, wo man gerade entlang trabt ... wo man sich über nichts Gedanken macht.

Km 20 ist erreicht, meine Eltern und die Mülis erwarten mich / uns mit einem kühlen Eh-schon-wissen und wir zweigen in den idyllischen Wasserwald. Sigi läuft uns da über den Weg, meint, dass ich es heute ja eilig hätte, und lässt uns dann weiterlaufen: er dürfte nicht den allerbesten Tag erwischt haben. Dann durch die windige Dauphinstraße und Schörgenhuberstraße - zu etwas verfrühten Übergabe des km 25 Getränks.

Das schmeckt mir schon nicht mehr: einerseits ist der Bauch schön langsam

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wirklich angeschwabberlt und andererseits warten gut 50 steile Höhenmeter auf uns. Wie erwartet, muss ich Christian ein

Höhenprofil

Grafik: Widmann

paar Schritte ziehen lassen - ich hasse Berge! Mit über HF 170 komme ich oben an und auf einmal spüre ich den Marathon: ist es reine Kopfsache, oder fängt es wirklich genau jetzt an, weh zu tun? Fängt wirklich genau jetzt die Plaggerei an? Nächstes Mal mache ich gleich beim Gis-Lauf mit, da weiß ich, was mich erwartet ;-)

Auf dem leichten Gefälle kommen wir wieder in unseren alten Schritt und schnell sind wir beim Volksgarten (wo ist E?) und weiter zur Waldeggstraße (da ist sie!). Schon ziemlich gezeichnet werde ich per Zeichen gefragt, ob ich Wasser oder Peeroton oder gar ein Power Gel möchte ... ich weiß es einfach nicht und entscheide mich für das Elektrolyt, obwohl es mich schon wirklich davor ekelt. Na, es wird das Letzte in diesem Rennen sein und wenigstens ein paar Schluck gehen runter.

Kurz vor der offiziellen Labe gestehe ich Christian, dass ich bald ein wenig nachlassen müsse ... aber kaum sage ich es, erwacht da ein ganz klein wenig Kampfgeist und wie klingt Geri da im Ohr? "So lange man noch weiß wie man heißt, kann man noch zusetzten!" Nun: "Widmann", oder? Vorname ... wuascht! "Billrothstr. 81", genau! Das reicht, weiter geht's!

Außerdem mampfe ich eine Banampfe im Laumpfen hinumpfer und spülpfe sie mit 

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ein wenpfig Wasser ... aaah ... hinunter: ist es der Kopf oder geht es nach einem km wirklich wieder besser? Jetzt - mit einem Blick auf das  Geschwindigkeits/Herzfrequenz-Diagramm - weiß ich es besser: wir haben das Tempo ein wenig herausgenommen - nicht viel, aber so etwa 5-10 Sekunden langsamer ...

V/Hf-Diagramm

Grafik: Widmann

Auf der Herrenstraße sind dann endlich wieder ein paar Zuschauer ... und halt: das

waren doch Funda und Marc? Hey super, das gibt Kraft! Dann quer durchs Landhaus, über den Hauptplatz, vorbei bei einer Masse von johlenden Zusehern (supertoll) und wieder über die untere Donaulände vorbei am Brucknerhaus - zum dritten Mal heute!

Dann die außertourliche Labe bei km 33 (etwa): wie schon öfter lässt sich Christian ein wenig zurückfallen, um - wie ich annehme - einen Becher zu ergattern! Ich laufe weiter, freue mich über ein paar langsamerer Schritte und warte

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Durchs Landhaus ...

Foto: maxFun.cc

auf die inzwischen vertraute Silhouette ... aber er kommt nicht mehr! Wassn das? So haben wir das aber nicht ausgemacht? He, wer macht denn jetzt das Tempo? Ma, wegen ein paar Krämpfe ...

Dann mit Pace 4'35" - 4'40" komme ich zu E. bei km 35 und verlange in letzter Not ein Gel und Wasser ... Mann, das pickt ja vielleicht: kaum runterzuwürgen ... auch das Wasser hilft da nur wenig ... dann bei der Labe noch eins und ein Cola gleich hinterher (wusch ... warum landet denn immer die Hälfte im Gesicht?)

Ab jetzt wird es mit jedem Kilometer immer schlimmer: selbst Gerhard, der da

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irgendwo beim Friedhof auf mich wartet und mich bis fast ins Ziel begleitet (Merci ... und das neue Scott schaut ja wirklich noch besser aus), kann da kaum was ändern ... na, zumindest traue ich mir jetzt nicht, einfach einmal ein paar Schritte zu gehen! Auch das Wasser, das er in seiner Trinkflasche hat, tut mir gut ...

Dann schon wieder "Blitzlichtgewitter": Funda und Marc "lauern" mir erneut auf - diesmal in der Dinghoferstraße ... ja gibt es denn das: wer hat denn die Kilometer hier vermessen? Das sind ja Meilen! Mehr noch ...

Dann die "Wende" bei der Oberbank - kurz denke ich an einige berufliche Vorkommnisse hier - und wieder nach Süden über Humbold- 

Hammer-Mann...

Foto: Funda & Marc

und Dametzstraße. Direkt bei Funda und Marc (Richtig: schon wieder!) kann ich noch eine "Leiche" überholen: der Triathlet - zumindest habe ich ihn bei km 8 am Damm für mich so getauft - wird wieder gesichtet: er ist noch ärger beieinander als ich, der es inzwischen kaum mehr auf einen 4'50"er Schnitt bringt ...

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Nach km 40 überhole ich ihn endlich!

Foto: Funda & Marc

Dann durch die Goethe: die eine Lady, die mich gerade vor zwei Km geputzt hat, übergibt sich unmittelbar vor mir ... und läuft mir dann trotzdem wieder davon! Crazy! Ob sie noch weiß, wie sie heißt? Endlich auf der Landstraße mit sagenhaftem 4'55"er Schnitt, werde ich das Opfer einiger Läufer, die noch ein wenig Sprinten können - ich nicht: ich fluche nur über das Kopfsteinpflaster, das meinen Fußgelenken zusetzt.

Ich zähle die Kreuzungen: Mozart ... ok, hätten wir! Nächste Haltestelle: Taubenmarkt ... ja, auch vorbei! Jetzt habe ich es ja wirklich geschafft, was? "Gemma Shoxi" unter wirklich Tausenden von schreienden Leuten höre ich Tonis Stimme heraus ... ein Blick auf die Zeitnehmung: 3:09:5x ... auweh, das Sprinten schmerzt ... "pfeeeeeeep" sagt der Zeitnehmungs-Chip ... aaaaaaaah!

Als ich wieder denken kann, sehe ich Wasser, Cola und Kuchen vor mir: Maaaaaaampf ... dann eine Bank ... und E., die nicht zu mir in die Absperrung darf ... und eine Kälteschutzfolie ... bibber!

Alles jetzt geht irgendwie sehr gedämpft vor sich: viel zu kurz kann ich mit Rainer quatschen, der mich fast noch abgefangen hätte; viel zu kurz auch mit Funda und Marc; ich vergesse auch, mir eine Medaille zu holen ... und wanke zitternd vor Kälte in Richtung Brucknerhaus zu meinem Kleidersack!

Unendlich weit erscheint mir der Weg - und absolut indiskutabel die Vorstellung, ins Parkbad zum Dusche zu gehen: dann schon lieber ein paar Spritzer Wasser auf der Brucknerhaustoilette, gleich warm anziehen und auf E's Rad zurück zum Bahnhof ... und zu Hause dann ab in die Heia!

Resümee? Eine neue persönliche Bestleistung mit 3:09:44 ... und um ein gemeinsames Erlebnis reicher!

 

© Manfred Widmann

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