Wien 2001

WiMa.gif (23848 Byte) by Cornelia Hirschmann

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Sa., 19.5.

Um die Erlebnisse des Marathons zu schildern, muss ich eigentlich schon mit dem Samstag, 19.5. beginnen: nach Schule bis 12:30 und Moderation der Vereinsmeisterschaft gleich im Anschluss bis 16:00 haben wir endlich den Zug nach Wien nehmen können.

Damit hatte der Stress aber leider noch kein Ende: am Westbahnhof angekommen, musste Elke zuerst das Begleit-Rad von Rudi holen (im Laufschritt, sonst wäre es zu knapp geworden), dann ab in die U3 und U1 zum Praterstern und per pedes weiter in die Messehalle 16, wo wir gegen 19:30 einen der letzten Marathon-Bags ausgehändigt bekommen haben; die Stimmung dort war schon ziemlich "abgefahren": das Personal fix und fertig, die Messe in Auflösung begriffen, viele Gratisgetränke, weil es die Standler nicht mit nach Hause nehmen wollten - nur der Puma-Stand wollte mir keine Gratis-Schuhe geben ..

Und weiter ging die Rallye: Hari, der Schatz, kommt auf Anruf zum Nestroyplatz und gibt uns die Schlüssel zu seiner Wohnung, dann erneut U-Bahn und schon (?) sind wir beim "Italiener ums Eck" und werfen Salat und Pizzastangerl und viele, viele Nudeln ein.

Wirklich todmüde und fast ein wenig verzagt wegen des absolut unoptimalen, weil sehr stressigen Vorwettkampftages fallen wir um 23:00 ins Bett - nicht ganz die optimale Ausgangsituation für den großen Tag, aber wie sagt Mampfen immer: wichtig ist nicht die Nacht davor, sondern die vorherige Nacht - die muss man gut geschlafen haben! Na, ich hoffe er hat auch diesmal recht!

So., 20.5.

Um 5:15 läutet E's Wecker: seuftz! Was soll ich heute tun? Marathon laufen? Na, wenn's denn sein muss! Aber einmal noch auf die Snooze-Taste geht schon noch ...

Als er dann ein zweites Mal "explodiert" startet ohne weitere Überlegungen die Routine: Kaffee machen (Marke Strongstrong), Frühstücken (6 (!) Toasts mit Honig), Verpflegung (Getränke, Broterl für E, ...) herrichten, Anti-Frühstücken, eine Unmenge von Dingen packen ...

Draußen fällt sofort die noch angenehme Kühle und der strahlend blaue Himmel auf - DAS wird einTag! Hoffentlich bleibt es kühl genug, aber Zuschauer werden wohl genug sein!

Um 6:45 sitzen wir schon in der leeren (*wunder*) U-Bahn. Und auch als wir gut 20 Minuten später die U1 bei der "Alten Donau" verlassen, hält sich der Andrang der 25.000 Läufer noch in Grenzen. Rasch ist der Bekleidungs-LKW gefunden und nach einigem hin und her auch jenes Standerl, an dem man seine Eigenverpflegung abgeben kann. Die Veranstalter transportieren dann die gut beschrifteten Flascherl zu der entsprechenden Labstelle ... hat im Endeffekt perfekt funktioniert! Und trotzdem: nur ein schwacher Ersatz für die persönliche Betreuung meiner Elke ... war schon eine gute Strategie, dass wir dieses Service nur dort in Anspruch genommen haben, wo Elke keine Chance hatte, hinzukommen!

Dann gemütliches Warmtraben (20') im Bereich des "Kaisermühlen Blues", Abgabe von Sweater und Trainingshose, Verabschiedung von E. (sie fährt schon mal vor, um rechtzeitig beim 5er zu sein), Toilette, Stretching, Toilette, Banane und Power Gel als letzten Treibstoff, Tempolauf (5'), Toilette, Startblock suchen, Toilette, viel trinken, Toilette, staunen über die Menschenmassen, Toilette, Quatscherei mit den Mitstartern, Toilette ... und dann endlich: START!

Überraschend schnell kommen wir weg - ganz ohne Probleme oder gröberen Stau (was wäre wohl, wenn die 25.000 mit dem Auto da wären?) ... und rasch finde ich mein Tempo und meinen Schritt! Ja, bereits nach 2 Kilometern läuft es! Ohne Anstrengung, als ob es einfach meine Ruhelage wäre ...

Lustig gleich am Anfang die Positionskämpfe der Greenhorns und derer, die es nie lernen werden: Leidln - das sind die ersten Kilometer eines 42-teiligen Abenteuers! Wie irrelevant werden dann im Prater die kleinen Abschneider der Typen sein, die unbedingt glauben, sich selbst besch... zu müssen? Vor allem der, der zu seinem Freund gemeint hat, dass er (langes Leibchen, lange Hose, ein Hosenbein raufgerollt) jetzt "zischen" muss, und beinahe von uns (immerhin mit Schnitt 4'15" unterwegs) weggesprintet ist ... eh klar, dass ich ihn bei km 7 völlig fertig am Straßenrand sitzen sehen habe!

Wie üblich, ist es kaum zu glauben, wie schnell die ersten 5 km vergehen. Leider verpasse ich Elke und muss mir so anstelle ein Peeroton zu trinken, 2 Becher Wasser halb ins Gesicht, halb in den Magen leeren ... egal! Und was macht eigentlich das Herzerl? Immer unter 165, nein jetzt einmal kurz auf 168, aber passt schon wieder! Und der Schnitt? Eigentlich wollte ich ja nicht drauf schauen, aber was soll ich denn sonst tun? 4'15": holla, zu schnell ... ja, jetzt passt es wieder, obwohl: eigentlich immer noch ein wenig darüber ... ach, was soll's: wenn "es" gerade so läuft?

Dann der 10er: tatsächlich: die haben das Wasser-Gel-Gemisch wirklich hierher transportiert ... und tatsächlich: es schmeckt wie immer!

Eigentlich ist das jetzt der schönste Teil des Laufes: Tempo stabil, Kreislauf stabil, nur die Umgebung wechselt, aber innerlich wirklich ruhig, fast wie in Trance! Das bleibt auch lange Zeit so, obwohl ich zunächst glaube, dass ich langsamer werde, weil mich so viele überholen! Des Rätsels Lösung: a) die Staffel-Läufer wechseln gegen 

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Diagramm

Grafik: Widmann

frisches Personal und b) die Frühlingsläufer haben ja nur mehr ein paar Kilometer. Neinein: mein Tempo passt, eher zu schnell, aber vielleicht gibt es ja eine Überraschung? Vielleicht unterbiete ich die "mir nicht vorgenommenen" 3:10 deutlich?

Dann kommen wir wieder in belebtere Stadtteile (obwohl ohnedies beinahe überall Zuschauer zu finden sind) und biegen zum zweiten Mal heute in den Ring ein: Kilometer 15 naht und schon von weitem winkt und schreit und hüpft mir E entgegen: ja, Liebe! Nein, nur Peeroton! Und weg ... hin zur offiziellen Labe, die ich wieder als Dusche verwende - mittlerweile ist es nämlich doch wärmer geworden, da tut ein Becher Wasser über das Kopftuch gut! Das gibt noch eine Weile ein kühles Kopferl!

Mit Tempomat-artigen 4'20" geht es über den Rathausplatz - aber die eine Schleife nach Norden zum 20er: bin ich die wirklich gelaufen? Ich kann mich wirklich null daran erinnern! Voll im Flow, wie auch die Marschtabelle beweist! Da ist ein Schritt der Impuls für den nächsten, da meint man, dass es immer so weitergehen könnte - wenn man überhaupt was meint!

Auf alle Fälle habe ich bei 20 mein Flascherl bekommen und habe die offizielle Zeitnehmung bei HM-Distanz bei 1:32' ausgelöst - superschnell! Und so einfach! Ohne Gewürge! So toll war es noch nie, sicher nicht! Solchen Gedanken hänge ich immer noch nach (das Denken scheint etwas langsamer abzulaufen), als ich in Richtung Prater einbiege - und mir wie üblich die Spitzengruppe entgegenkommt: ich also bei km 23 und die schon bei km 36! Irre! Das ist uns allen (na ja: fast allen) einen Applaus wert ...

Dann der Prater: wir alle machen uns auf das schlimmste gefasst ... aber es kommt nicht! E kommt, ja, die schon: ganz verlässlich wartet sie bei km 25 mit einem Peeroton (jetzt kann ich es bald nimmer sehen) und strahlt und lacht und hilft mir damit wahrscheinlich mehr, als mit dem Getränk! Und noch zwei kommen von hinten: zum einen Michael, der gestern mit dem Rad von Wels nach Wien gefahren ist (!) und den Marathon letztendlich in 3:05 beenden wird, und zum anderen mein Kollege aus Leonding, Christian, der 3:08 brauchen wird. Also muss ich doch mit dem Tempo gerade etwas nachgelassen haben? Wie? Na, so arg ist es nicht: immer noch 4'30", das passt schon! Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste ...

Hin und her und her und wieder hin und dafür wieder her ... und dazwischen irgendwann der 30er mit PowerGel ... auf jeden Fall umkreise ich bald einmal das Lusthaus (ha, ha, lustig) und überhole die ganze Zeit eine Unmenge Läufer! Jaja, Erfahrung macht sich bezahlt ... abgerechnet wird eben wirklich erst nach 42.195 Metern (und das ist durchaus selbstironisch gemeint).

Doch jetzt E beim 35er mit einer Erfrischung in Form eines Peerotons! Sie kann sogar eine Zeitlang neben mir herfahren und wir haben ansatzweise so etwas wie Spaß - auch wenn es meine Mitstreiter überhaupt nicht witzig finden ... Banausen!

Jetzt ist der Radweg zu Ende und ich verabschiede E: wir sehen uns im Ziel ... sind ja nur noch 7 km! Gottseidank! Was? Wie war das? Reicht es jetzt schön langsam? Ha? Ja, in der Tat: ich werde immer leerer und leerer! Die nun folgenden "Anstiege" brechen mir endgültig das Genick - und auch der Blick auf die Stoppuhr erzählt nichts Gutes! Jetzt geht es los! So wirklich, meine ich ... bis jetzt konnte ich dem Hammermann ja davonlaufen, aber jetzt?

Doch mit meinen Problemen bin ich nicht alleine: viele schleppen sich nur mehr mühsam weiter, viele so, dass ich sie "putzen" kann ... aber einige scheinen noch wirklich frisch zu sein und ziehen locker vorbei ("sicher" alles lauter Staffel-Läufer - muss ja sein - kann gar nicht anders sein)! Jeder km scheint endlos lange zu sein - da waren zu Beginn 5 leichter zu laufen, als jetzt einer! Aber einmal probiere ich es noch: jaaaaa, so ist die Geschwindigkeit ungefähr gewesen, jaaaa, genau, geht ja, was?

Nein, nix geht! Ein Kilometer vielleicht, aber dann ... locker (?) weitermachen und hoffen, dass nach km 38 der km 39 kommt und dann der 40er und der 41er und der 42er ! Und was sagt meine Zwischenzeit zur erreichbaren Endzeit? Hihi: das werden wieder 3:12 oder 3:13 ... bin anscheinend programmiert darauf!

Zieleinlauf! Pieps: offizielle Zeitnehmung, Stoppuhr! Schweigen! Hände auf die Knie! Weiteratmen! Fertig! Angekommen! Trinken?! Essen?! Ah, Medaille! Spinnst? Plastik-Poncho? Mann, mir ist heiß! Was soll ich denn damit? TRINKEN! ESSEN! Ah: Wasser - über den Kopf! Und ein Getränk, nein eigentlich eh nicht mehr wirklich ... aber da: Orangen ... Bananen ... umpf nochh einnne Bamampfe im Mumpf eine! Seawas! Jo, 3:13 und du? Ma, super! Back again, wos? Haha! Du, I schau weida! Wo geht es raus? Wo ist E? Und Hari?

EEEEEE! Hallo! Endlich! Ja, es war super (hart)! Und die 3:13 sind ja in Anbetracht der Umstände auch gar nicht so schlecht, oder?

 

© Manfred Widmann

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